Wenn man selbst Videos machen will, dann ist es unabdingbar, dass man ein paar Grundbegriffe kennt, zu denen ganz sicher auch die Einstellungsgrößen gehören. Das Wort besteht aus zwei Teilen. Aus Einstellung und aus Größe. Es geht also um die Größe des dargestellten Bildes, das man im Film zeigt. Dabei wird in der Regel der Mensch zum Maßstab gemacht. Das System lässt sich aber auch auf alles andere übertragen was im Bild gezeigt wird, Tiere, Städte, Dinge.

Die Totale
Einstellungsgrößen: Totale
Einstellungsgrößen: Totale

Die Totale ist dabei in der Regel die Ausgangsgröße. Eine Totale zeigt, wie der Name erahnen lässt etwas total, also in seiner vollen Größe. Ein Mensch wäre also in einer Totale von den Schuhen bis zum eventuell vorhandenen Hut im Bild, total eben. Das gilt letztlich auch für mehrere Personen, also wenn zwei, drei oder mehr Menschen auf einem Bild sind. Die Totale ist die Einstellung bei der alle zu sehen sind. Noch mehr zeigt nur noch eine noch weitere Einstellung.

Die Supertotale
Einstellungsgrößen: Supertotale
Einstellungsgrößen: Supertotale

Die Supertotale zeigt einen noch größeren Bildausschnitt und ermöglichst so eine ganz große Einordnung des Geschehens. Also, am Beispiel Mensch, könnte die Supertotale die komplette Landschaft zeigen in der der Mensch steht. Da diese Einstellungsgröße eben so viel zeigt, ist sie oft im Establishing Shot zu finden, also in den ersten Einstellungen des Films. Man sieht die Landschaft, die Stadt, das Gebäude, den Raum in der sich gleich die Handlung abspielen wird. Im Western wird die Supertotale sogar abwechselnd mit einer anderen, sehr nahen Einstellung, der sogenannten Italienischen gezeigt. Bei der sind quasi nur die Augen zu sehen, was in den Duell Szenen der Italo-Western wichtig war, den wer zuerst zuckt, der gewinnt oder verliert das Duell. Die Supertotale sorgt letztlich für die große Orientierung. Das heißt, ich kann durch die Supertotale Dinge und Personen einordnen. Stehen sich Gruppen gegenüber, steht ein Haus einsam in der Gegend oder liegt eine Wohnung in einem anonymen Block in der Großstadt.

Die Amerikanische/Halbtotale
Einstellungsgrößen: Amerikanische
Einstellungsgrößen: Amerikanische

Geht man wieder näher ran bei den Einstellungsgrößen kommt nach der Totalen die Halbtotale. Die Halbtotale ist ganz ähnlich wie die “Amerikanische”. Sie zeigen beide den Mensch nicht mehr bis zu den Füssen, sondern etwas näher. Die Halbtotale etwa bis zur Gürtellinie oder dem Bauchnabel, wobei die amerikanische Einstellung noch etwas weiter ist und bis zur Mitte des Oberschenkels geht. Die Amerikanische hat ihren Namen aus den Western. Dort war sie die Einstellungsgröße, in der auch noch der Colt der Cowboys mit im Bild zu sehen war. Es ist wichtig zu sehen, wenn die Cowboys ihren Colt ziehen, siehe italienische Einstellung. Deshalb wurde die Halbtotale durch die Amerikanische etwas erweitert, also einer Einstellung die etwas unter der Gürtellinie endet. So dass der Colt des Cowboys noch ganz im Bild war.

Die Halbnahe

Wieder näher als Amerikanische und Halbtotale geht dann die Halbnahe Einstellung. Sie endet etwas über Bachnabelhöhe. Zeigt also letztlich den kompletten Oberkörper. Bei der Halbnahen Einstellung sind Bewegungen der Arme noch zu sehen. Man kann auch sehen in welche Richtung ein Oberkörper geneigt ist, also ob jemand eher zugeneigt oder abgeneigt ist. Die Halbnahe zeigt uns also Dinge, die wir kaum direkt wahrnehmen, die wir aber emotional durchaus wichtig finden und die Symphatie und Antipathie z.B. steuern können. Mit der Halbnahen Einstellung kann man Verbindungen oder auch Trennungen zwischen den handelnden Personen schaffen, je nachdem wie man die Personen zueinander ins Bild “stellt”. Und sie drücken viel Gefühl einer Person aus, z. B. ob sie  aufgeregt ist und mit den Armen fuchtelt, oder niedergeschlagen die Schultern hängen lässt.

Die Nahe
Einstellungsgrößen: Nahe
Einstellungsgrößen: Nahe

Noch ein Stück näher rückt dann die Nahaufnahme. In der Nahaufnahme sieht man den Menschen dann etwa bis zur Brustmitte. Die Einstellung spiegelt ganz gut wieder, wie wir selbst andere im direkten Gespräch wahrnehmen. Wir können die Regungen im Gesicht erkennen, sehen aber auch ob der Oberkörper dabei zum Beispiel ruhig bleibt, die Schultern vor oder zurück hängen und ob er mit den Armen wedelt oder diese eher ruhig und locker lässt. Das ist also eine Einstellung die am besten unser natürliches Wahrnehmen einer anderen Person wiederspiegelt. Wie die Halbnahen kommt die Nahe einem normalen Gespräch unter Leuten ziemlich nah. Daher ist das eine Einstellung die in der Regel Vertrauen schaft und eine gute bis optimale Beziehung zum Zuschauer herstellt. Er fühlt sich damit am besten selbst angesprochen.

Der Close up/ Die Große
Einstellungsgrößen: Große/Close Up
Einstellungsgrößen: Große/Close Up

Es geht aber noch näher. Die nächste in der Reihe wäre die Großeinstellung, im englischen auch Close up genannt. Diese Aufnahme zeigt dann nur noch das Gesicht. Sie kann eingesetzt werden um den Eindruck der Naheinstellungen noch zu verstärken. Das heißt wir hängen demjenigen, der da was sagt, dann förmlich an den Lippen. Das ist eine sehr intensive und intime Einstellungsgröße. Wenn man sich so nahe steht dass man sich quasi nur ins Gesicht schaut, dann ist das schon sehr direkt und man sollte eine gewisse Verbundenheit spüren. Das ist dann auch der Grund, warum man diese Einstellung nicht von Anfang bis Ende eines Films durchhalten sollte. Bei Spielfilmen wäre das eh schwer, aber auch nicht bei Lehrfilmen, oder Vorträgen. Besser ist es diese Einstellung sparsam aber konsequent zu verwenden.  Man kann zum Beispiel einen Ransprung also das Wechseln von einer Halbnahen oder Nahen in eine Großeinstellung immer dann machen, wenn etwas sehr wichtiges gesagt wird. So unterstützt man seine Botschaft und bringt sie besser und sicherer rüber. In Spielfilmen wird die Großaufnahme auch dazu benutzt, um dem Zuschauer einen Vorteil zugeben. Er kann zum Beispiel leichter sehen, wenn ein Protagonist lügt, oder wenn einer skeptisch ist, so wird dem Zuschauer ein Vorteil verschafft gegenüber dem Protagonisten in der Handlung etwa. Der Zuschauer weiß dann etwas, was der Hauptdarsteller in der Szene vielleicht noch nicht weiß. Um diesen Effekt noch zu unterstützen wird die nächste Einstellung dann gerne zusätzlich verwendet.

Das Detail
Einstellungsgrößen: Detail
Einstellungsgrößen: Detail

In der Einstellungsgröße Detail geht es darum nur ein kleines aber wichtiges Detail des Gesichtes z.B. zu zeigen. Das Zucken des Auges, wenn jemand lügt. Die Überraschung, wenn einer doch schießt, die Angst, wenn man erkennt, dass der Feuerball genau auf einen zu rast. Als besondere Form der Detail Einstellung kann hier wieder die italienische Einstellung genannt werden. Sie kommt ja aus dem Italo-Western und wurde dort  während der Duellszenen verwendet um die Anspannung zu zeigen und das Belauern, wer als erster zuckt. Abgesehen von der italienischen Einstellung bleibt die Detail Einstellung meist auch nur ganz kurz im Bild. Sie ist, ähnlich wie in echt, eben nur schwer bewußt zu entdecken und sehr flüchtig, wenn man nicht genau hin sieht, sie ist aber sehr effektiv wenn es darum geht, kleine Geheimnise zu vermitteln.

Die Detail-Einstellung kann und wird auch gerne für Dinge verwendet. Zum Beispiel das heimliche ziehen eines Messers, oder auch ein Passwort das an einem Computermonitor eingetippt wird oder ähnliches. Mit Detailaufnahmen von Sachen kann man die Handlung letztlich steuern. Sie helfen darauf zu fokussieren was wichtig ist. Das heißt, ich sehe,ganz kurz, was in der verbotenen Schublade ist, oder ich sehe wo im Wandregal voller Bücher eines fehlt. So kann sich durch die Bildgestaltung die Geschichte besser erzählen lassen. Weil ich dadurch bewusst steuere, was ich zeige und was eben nicht. So bekommt der Zuschauer einen Vorteil oder auch einen Nachteil. Beides macht es spannender. 🙂

Zusammenfassung

Das gilt letztlich für alle Einstellungsgrößen. Sie dienen dazu die Handlung der Geschichte zu unterstützen. Im Spielfilm genauso wie in allen anderen Formaten. Auch in Talkshows wird damit gearbeitet. Wenn einer was spannendes sagt, fährt die Kamera ran und die anderen sind ausgeblendet. So konzentriere ich mich besser darauf,  was derjenige sagt. Redet der Moderator oder alle durcheinander wird die Einstellung eher total sein. So wird der Wechsel des Sprechers besser nach vollzogen. Zu Beginn fängt man meist mit Totale und Supertotale an. Damit zeigt man das Setting in dem die Diskussion passiert. Insgesamt hilft eine Totale zu Beginn dabei, die handelnden Person als ganzes  langsam auf den Zuschauer los zu lassen.  Wenn ich zu schnell zu nah ran springe, kann dass dem Zuschauer auch unangenehm werden, so wie jemand der sich in der U-Bahn nah an sie ran stellt, obwohl die U-Bahn vielleicht fast leer ist.

Jede der Einstellungsgrößen hat ihre Wirkung und man kann die durchaus selbst ausprobieren und dann mit der Zeit lernen, was wann am besten funktioniert. Auch hier ist es wichtig die Regeln zu kennen bevor man sie dann vielleicht auch mal bricht. Heißt ich kann z.B. auch mit einem freundlichen und offenen Gesicht und einem Hallo anfangen und dann die Totale oder Halbtotale nachholen. So irritiere ich den Zuschauer zwar vielleicht kurz, ziehe ihn so aber zum zusehen und verhalte mich dann wieder normal. Durch das freundliche Grüßen oder das Lächeln hat man bereits erste Sympathien ergattert.

Die Einstellungsgrößen im Schnitt

Für den Schnitt wichtig ist, dass die Einstellungsgrößen auch viel kaputt machen können, wenn man sie falsch oder gar nicht  benutzt. Schneide ich z.B. zwei Naheinstellungen hintereinander von der gleichen Person, entsteht immer der Eindruck, dass ich was weg genommen habe. Man hat immer das Gefühl hier wird einem was vorenthalten, oder zensiert, wenn das Bild so springt. Der Eindruck ist weniger stark, wenn ich dabei z.b. einen Rücksprung in eine andere Einstellung mache. Also von einer Nahen in eine Halbtotale. Dann steuere ich damit auch, wenn neue Sinnabschnitte entstehen und wenn ich inhaltlisch neue Kapitel beginne. Das Gefühl dass das Bild springt entsteht bei Großaufnahmen und Nahaufnahmen oder auch beim Wechsel zwischen Naher und Halbnaher Einstellung. Also wenn die Einstellungsgrößen eher nahe beieinander  liegen.

Fehler vermeiden

Gelingt der Übergang nicht, ohne dass man das Gefühl hat es springt, dann schneidet man besser noch etwas anderes sinnvolles dazwischen. z.b. eine Detailaufnahme einer Hand die etwas schreibt, oder auch eine Blumenvase auf dem Tisch an dem jemand sitzt, wenn man gar nichts anderes findet. Diese sogenannten Schnittbilder sammelt ein guter Kameramann immer mit ein. Teilweise vorher, teilweise nach der Aufnahme, wenn er weiß worüber geredet wurde.

Wollt ihr noch mehr wissen? Dann schreibt mir zu welchem Thema ich euch mehr erzählen soll. Für Wünsche und Anregungen stehe ich immer gerne bereit. Was wollt ihr wissen?

Wer das Thema selbst vertiefen möchte, der findet weiter unten, wie immer weitergehende Literatur dazu. Ansonsten freue ich mich sehr auf euer Feedback eure Anregungen Tipps und Fragen.











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Einstellungsgrößen und wie man sie richtig benutzt
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Einstellungsgrößen und wie man sie richtig benutzt
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Einstellungsgrößen gehören zu den grundlegenden Basics beim Filmen. Mit dem Wissen über die richtigen Einstellungen machst du gleich bessere Videos machen.
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