Video schneiden Schnittfenster Musterbild
Video schneiden Schnittfenster Musterbild

Vielleicht ist Videos schneiden beim Filmemachen dass, was am wenigsten wahr genommen wird.

Es passiert meist in dunklen Hinterzimmern und was muss man da schon tun? Einfach alles hintereinander legen und die Wackler bisschen grade ziehen und gut. Aber ist das wirklich so?

Es gibt leider immer noch sehr viele Menschen, die durchaus so ähnlich denken. Wenn sie überhaupt über Videoschnitt nachdenken. Aber schneiden hat damit nur wenig zu tun und geht auch deutlich tiefer. Erst durch den Schnitt wird aus einzelnen, meist völlig zusammenhangslosen Videos, selbst wenn sie aus dem selben Raum, von der selben Veranstaltung stammen, eine echte Geschichte. Beim schneiden der Videos wird es erst möglich Gefühle zu erzeugen, Emotionen zu steuern, zu verstärken und genauso mit diesen Gefühlen auch zu irritieren, wenn nötig.

Was ist Schnitt eigentlich?

Natürlich kann man  jedem die grundsätzlichen Tanzschritte eines Tanzes beibringen.  Aber ein begnadeter Tänzer wird man erst dadurch dass man ständig und immer wieder tanzt und  tanzt und tanzt. Für das schneiden von Videos gilt das selbe.

Walter Murch, einer der wichtigsten Cutter in Hollywood hat das Schneiden eines Films mit dem Tanzen verglichen.

Man kann aus Material, das man bekommt einfach ein paar Ruckler raus schneiden. Vielleicht auch noch ein bisschen kürzen, weil das sonst zu lange wird. Aber wenn man echte Wirkung erzeugen will, dann muss man sich schon deutlich intensiver mit dem Material und den Inhalten, so wie dem Ton in den Szenen beschäftigen. Oft wird parallel zum Dreh bereits ein Schnittplan ausgearbeitet. Schließlich bleibt, wie überall beim Film, nichts gerne dem Zufall überlassen.

berühmtes Schnittbeispiel:
Videos schneiden - Beispiel aus Psycho
Videos schneiden – Beispiel aus Psycho

Eine Szene die vielleicht viele (noch) kennen ist die Duschszene bei Psycho. Hätte der Cutter damals nur die Wackler raus geschnitten und alles sauber hintereinander gelegt, dann wäre die Szene heute niemandem mehr in Erinnerung, ganz sicher. Aber er hatt sogar genau das Gegenteil gemacht. Die Szene zeigt absolut nichts von der Tat selbst. Also nicht ein einziges mal ist wirklich zu sehen, daß das Messer in die duschende Frau sticht. So wie man das vielleicht heute in vielen Splatter und Horrorfilmen machen würde.  Die Szene wirkt aber gerade dadurch, daß die Tat nicht gezeigt wird viel stärker. Dieses Bild darf im Kopf jedes Zuschauers entstehen und ist somit für jeden Zuschauer selbst immer in der absolut gruseligsten Version in seiner Vorstellung. Gleichzeitig wird direkt in den Vorgang sogar jeder Ruckler extra hinein geschnitten statt hinaus. Das irritiert und verstörrt das Auge und den Zuschauer in dem Moment. Es wird erst wieder ruhiger, als der Tod so langsam eintritt und das Leben in Form von Blut den Ausguss hinunter fließt. Und durch den wieder verlangsamten Rhythmus wird dem Zuschauer dadurch klar, dass die Frau jetzt Tod ist.

Zum Schnitt gehört ebenfalls, der Ton. Man hört die Stiche, die man nicht sieht. Es sind exakt 8 Einstiche, die man trotz lautem Schreien und der bekannten Musik in dem Moment sehr deutlich hören kann. Daran kann man ein wenig erkennen, wie wichtig der Ton beim Schnitt grundsätzlich ist. Musik natürlich auch, aber das ist ein anderes Kapitel.

Optische Langeweile

Erst durch den Schnitt wird etwas lebendig und interessant. Ein Beitrag gefilmt  von nur einer Kameraposition wird vergleichsweise schnell sehr ermüdend für den Zuschauer. Und das hat nichts damit zu tun, ob der Vortrag spannend ist oder nicht. Er kann sehr spannend sein und trotzdem wird es langweilig wenn man so lange das selbe Bild sieht. Das Video wird irgendwann in unserem Gehirn unter “kenn ich schon” abgespeichert und die Aufmerksamkeit geht wo anders hin. Die Aufmerksamkeitsspanne für solch eintönigen Bilder ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Ich würde sagen, du hast, ungeschnitten, heute vielleicht ein paar Sekunden bis höchstens eine oder zwei Minuten, bis das Gehirn deiner Zuschauer wirklich komplett abtrifftet. Im besten Falle hast du danach noch die Bilderradio Funktion, das heißt die Leute hören dir wenigstens irgendwie weiter zu.

Wer also alles von einer Position in eine Kamera einspricht, der sollte sich zum einen kurz fassen. (Aller höchstens 5min, wenn du wirklich spannend erzählen kannst.) Zum anderen solltest du darüber nachdenken, die Dinge vielleicht ganz ohne “bewegte” Bilder zu machen. Heißt, nimm nur den Ton und mach daraus eine packende Audiodatei, einen Podcast z.B. Ein langweiliges Video kann dir womöglich mehr schaden als nutzen und dann nutzt dir eine tolle Tondatei schnell mehr als so ein Video bei dem deine Zuseher nicht die Aufmerksamkeit halten können.

Im Web kann man sogar noch eine weitere Möglichkeit finden, die leider viel zu wenig genutzt wird wie ich finde. Die Audio-Slideshow. Das sind letztlich bebilderte Tonspuren. Mehr dazu hier.

Gestalten durch schneiden

Die Zuschauer eines langen Videos in dem optisch nichts passiert, werden schnell beginnen sich mit irgendwas anderem zu beschäftigen. Das heißt, sie schweifen ab. Erst unmerklich, letztlich bald auch inhaltlisch. Wenn du wichtige Botschaften zu vermitteln hast, solltest du die nicht in lange Kameramonologe aus einer einzelnen Einstellung verpacken. Zumindest nicht wenn du dein Publikum damit wirklich erreichen willst.

Man erreicht deutlich mehr Wirkung, wenn das Video wirklich ein Video ist, heißt wenn es eben Schnitte gibt, die dem ganzen einen eigenen Rhythmus verleihen und das ganze in einzelne Sinnabschnitte aufteilen. Schnitt ist nämlich vor allem Ordnung und Rhythmus, speziell wenn es zum Beispiel um Online-Kurse und Lehrvideos geht. Dann teilt der Schnitt das Wissen und die vermittelten Informationen in kleine Sinnabschnitte. Einzelne Häppchen die viel schneller und besser zu verdauen sind. Das macht dein Video intensiver und wirkungsvoller.

Der Schnitt beginnt beim Dreh

Natürlich sollte man da beim Dreh schon drauf achten, denn Film bleibt immer ein “Gesamtkunstwerk”. Daher ist es wichtig, sich vorher schon Gedanken auch an das Schnittkonzept zu verschenken. Zum Videos schneiden darf man sich überlegen, wie man sich den Content am besten in kleinere Sinnabschnitte einteilt. Deswegen heit es bei Profis auch nicht Videos schneiden, sondern Film montieren, als keine destruktive Handlung sondern eine bei der etwas zusammen gefügt wird. Beim Drehen der Sinnabschnitte ist dann schon darauf zu achten, dass man den Blickwinkel der Kamera wechselt. Einstellungsgrößen, Hintergrund, in all dem darf es Veränderungen geben, beim wechsel der Sinneinheiten. Sie sollten nicht so groß sein, dass der Zuschauer das Gefühl hat, in einem völlig anderen Film zu sein, sie sollten aber auch nicht zu klein sein, so dass man sie kaum wahrnimmt. Ein beliebter und bewährter Weg ist der Ransprung oder der Wegsprung, also der Wechsel zwischen den Einstellungsgrößen. Heißt jede Einstellung wird näher oder weiter beim Wechsel des gesprochenen Inhalts.  Steht der Vortragende zu Beginn ganz im Bild, in einer Totalen, springt die Kamera in der nächsten Einstellung in eine Halbtotale oder Amerikanische Einstellungsgröße. Wieder eine Einstellung weiter dann in eine Naheinstellung mit Kopf und Oberkörper und ganz am Ende vielleicht in ein Close-Up in dem dann nur noch der Kopf groß in die Kamera spricht. Über 5min Video ist das eine deutliche “Verdichtung” als mit jedem rangehen kann ich den vermittelten Inhalt so wichtiger machen.  Genauso lasse ich kurz Luft, wenn ich wieder weg springe um dann bei den nächsten Inhalten wieder näher zu kommen.

Und dein Video?

Wenn du jetzt das Gefühl hast, deine Videos könnten auch besser werden, dann schick mir einfach den Link zu deinem Video und ich kann dir Tipps und Hilfestellungen geben um dein nächstes Video besser zu machen.  Ich freue mich auch, wenn ihr Fragen zum Thema stellt, wenn ihr den Artikel teilt und liked. Meldet euch einfach und wie immer gibt es weiter unten Literaturtipps zum Thema.











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Und da wir einen Ausschnitt des Films als Beispiel benutzt haben, gerne auch den Film nochmal genau ansehen und lernen vom Meister der Suspense.

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Beim schneiden von Videos kann man viel falsch machen oder auch wirklich gut gestalten damit, wenn man weiß wie ein guter Videoschnitt geht. Lerne es jetzt.
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